Corona, Influenza und RSV – was bringt der Kombitest?

Kombitests sollen neben Corona auch Influenza und RSV erkennen: einfach, schnell – aber auch zuverlässig?

Während das Fieberthermometer meist verlässliche Messwerte gibt, sind die Resultate der Dreier- Kombitests für Grippe, Corona und RSV mit Vorsicht zu genießen.

Corona, Grippe oder doch bloß Erkältung – diese Frage stellen sich derzeit viele. Antwort versprechen die Kombitests, mit denen gleichzeitig auf Corona, Influenza A und B sowie auf das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) getestet werden kann.

Diese Tests, die es inzwischen von mehreren Herstellern in der Apotheke oder auch in der Drogerie zu kaufen gibt, funktionieren im Prinzip genauso wie die Antigen-Schnelltests bei Corona, also Nasenabstrich, mit der beigelegten Flüssigkeit mischen und auf die Testkassette tröpfeln. Fertig. Sie sind einfach und schnell – aber auch zuverlässig?

Aussagekraft von Kombi-Selbsttests sehr begrenzt

„Gute Frage“, findet Prof. Dr. Jörg Schelling, Allgemeinmediziner und Beauftragter für Wissenschaft und Forschung des Bayerischen Hausärzteverbandes. Denn wissenschaftlich betrachtet, ist die Aussagekraft von Kombi-Selbsttests sehr begrenzt. „Wie zuverlässig ein Kombi-Selbsttest eine entsprechende Erkrankung anzeigt, hängt von dem Erreger ab“, sagt Prof. Dr. Jörg Schelling. „Die Schnelltests sind für Corona und mit Einschränkungen auch für Influenza grundsätzlich geeignet. Die Messgenauigkeit in Bezug auf RSV ist insbesondere bei Erwachsenen sehr schlecht“, erklärt er. Doch auch bei den Corona-Tests gibt es eine erhöhte Rate an falsch-negativen Ergebnissen. „Insgesamt ist der Corona-Test sicherlich anfälliger für Fehler als zu Zeiten der Pandemie, als diese auch regelmäßig europaweit auf seine Qualität überprüft wurde“, so sein Urteil.

Als weiteres größeres Problem gilt die fehlerhafte Durchführung bei Selbsttesten. Wenn zum Beispiel beim nasalen Abstrich der Wattestab nicht tief genug in Rachen oder Nase eingeführt wurde, kann dies zu einem falschen Testergebnis führen. Der Test kann auch fälschlicherweise negativ sein, wenn die Konzentration von Virusproteinen beim Abstrich nicht hoch genug ist. Viele Tests schlagen auch zu Beginn der Symptome noch nicht an.

Unterm Strich hält der BHÄV-Experte die marktüblichen Kombitests also nur für begrenzt empfehlenswert. „Wenn solche Tests günstig verfügbar sind, kann man sie sicherlich insbesondere zum Ausschluss von Influenza in der aktuellen Welle verwenden, aber ihre Aussagekraft und ihre Bedeutung sind sicherlich nicht mit den Schnelltests in der Pandemie zu vergleichen“, so sein Fazit.

Ergänzendes Hilfsmittel, um Symptome erst einmal besser einzuordnen

Auch wenn sie keine große Sicherheit geben, könnten sie dennoch nützlich sein. Sie können helfen, Symptome erst einmal besser einzuordnen“, sagt der Experte. Auch in Familien, oder wenn chronisch kranke oder immunsupprimierte Personen im engen Umkreis leben, könne ein solcher Test helfen, um dann im Verhalten Prävention und entsprechenden Schutz umzusetzen. „Um es aber noch einmal zu betonen: es liegt keine wissenschaftliche Evidenz für die Verwendung dieser Tests vor, und sie bleiben damit bis zu einem gewissen Grad ein ergänzendes Hilfsmittel, um Beschwerden eventuell zuordnen zu können“, so Prof. Dr. Schelling.

„Wirklich sinnvoll ist ein solcher Schnelltest nur in der Hand der Hausärztin oder des Hausarztes"

Corona, Grippe oder doch bloß Erkältung – wer eine zuverlässige Antwort auf diese Frage sucht, sollte sich an seine hausärztliche Praxis wenden. „Wirklich sinnvoll ist ein solcher Schnelltest nur in der Hand der Hausärztin oder des Hausarztes, die den Verlauf, die Symptome und auch die Behandlung dann koordinieren beziehungsweise zusammenführen kann“, sagt Prof. Dr. Schelling.

Zudem könnten in der Praxis auch gezielte Abstriche durchgeführt werden, die dann vom Labor verlässlich ausgewertet werden. Damit ist man dann in jeden Fall auf der sicheren Seite.